
Presse:
Von Traurigkeit und Lebensfreude
Kultur im Treppenwinkel
RIEDERN AM WALD (pab). Jiddische, sephardische und hebräische Lieder
gab es bei Kultur im Treppenwinkel in Riedern am Wald. Hella Boccara aus
Kandern und Karsten Kramer aus Freiburg präsentierten gut eineinhalb
Stunden Liedgut, das von Liebesliedern, Liedern der Trauer und Sehnsucht
bis hin zu Schlafliedern reichte. Während die Chansonsängerin
Hella Boccara ihr Repertoire gesanglich umsetzte und poetisch kommentierte,
wurde sie von Karsten Kramer auf dem Klavier, bei zwei Stücken auf
der Gitarre begleitet. Die Zuhörer erfuhren auch etwas über die
jüdische Symbolwelt und erhielten Einblicke in die gut verständliche
jiddische Sprache. Der Pfau tritt hier als Bote aus einer anderen Welt auf,
der Schmetterling wird in der jiddischen Sprache schlichtweg Sommervogel
genannt. [...]
Jiddische Musik im Kloster
Kultur im Treppenwinkel.
ÜHLINGEN-RIEDERN (bbr). [...] Der Treppenwinkel ist wie geschaffen für solche Auftritte: ein kleines Podest, eine überschaubare Zuschauermenge, ein naher Kontakt zwischen Künstlern und Publikum. Hella Boccaras tiefe, rauhe Stimme prägte sich sofort ein beim Zuhörer, wie geschaffen für die Ausführungen und Lieder, die mit Gitarren- und Klavierbegleitung von Karsten Kramer folgen sollten. Die jiddischen Lieder handelten von Liebe und Leid, von glücklichen Stunden, Abschied und Schmerz, und dennoch nicht einfach vom "Leben" – Wehmut und Klagen gingen über in Hoffnung, Zuspruch und Trost mit dem Wissen, es geht weiter. [...]
Eine Stimme voller
Überzeugungskraft
KANDERN-WOLLBACH (inbo). Es gibt Sängerinnen, die sich auf Grund ihres seltenen Timbres weitab von gängigen Interpretationen bewegen. Zu dieser Kategorie gehört Hella Boccara. Rau und rauchig, teils spröde, dann wieder weich und fragil kommt ihr Gesang daher – zu erleben war dies bei einem Konzert in der Wollbacher Kirche am vergangenen Sonntagabend.
Bekannt sind Hella Boccara und ihr musikalischer Begleiter Karsten Kramer durch ein vordergründig von Chansons geprägtes Repertoire. Jiddische und sephardische Lieder wie in Wollbach bietet das Duo nur auf individuelle Anfrage an.
So fremd dieser Musikstil zunächst klingen mag, so vertraut scheint er schon nach den ersten Stücken. Es sind die Inhalte der Texte, die das Liedgut näher an hiesige Hörgewohnheiten rücken lassen. Begleitet von den Klavier- und Gitarrenkünsten Kramers, behauptet sich der Alt Boccaras klar. Akustische Unterstützung liefert zudem die Resonanz des Kirchenschiffs. Eingefunden hatte sich ein eher kleiner Zuhörerkreis, der nahm jedoch auch weitere Wege aus dem Umland in Kauf, um Boccara zu hören.
Ergriffenheit beobachte sie bei ihrem Publikum, sagt Boccara, ein Zug, der durch die Wehmut vieler Titel entsteht. Jiddisch gilt als Mischsprache, das Sephardische nennt sich auch Judenspanisch. Die Lieder dieser Menschen handeln oft von Vertreibung und Exilaufenthalten. Die Sängerin interpretiert sie authentisch und trifft daher die Gemüter. Mit starker Überzeugungskraft singt sie von traurigen Inhalten wie von Liebesleid oder Fernweh. Alltagsmomenten widmeten sich das Schlaflied einer Mutter und die melodische Betrachtung eines stillen Abends bei einem Glas Wein. Jedes Stück enthielt Leidenschaft, wie sie der Entstehung, etwa am Schwarzen Meer zugeschrieben wird.
Das Spiel Karsten Kramers ist meisterlich, und basiert erkennbar auf der ihm eigenen Spielweise. Der Freiburger kopiert die fremdländische Tongebung nicht. Er bleibt sozusagen bei heimischer Manier. Gewollte musikalische Pausenwirkung hatte sein virtuoses Zwischenspiel. Eine gute Stunde dauerte das Konzert, das auch Gelegenheit bot, Parallelen zwischen der Protagonistin und großen Stimmen zu finden.
Hella Boccara
Kandern-Wollbach
(bn). Die Klangwelt des einstigen Shtetls in Osteuropa und der im Mittelalter
aus Spanien vertriebenen und in die ganze Mittelmeer-Region verstreuten
Sepharden ist von eigenartig faszinierendem Reiz. Sie authentisch zu vermitteln
hat sich die in Egisholz lebende Chanson-Sängerin Hella Boccara zur
Aufgabe gemacht. Und das gelingt dieser Vokalistin mit der warm timbrierten,
leicht rauchigen Altstimme sehr überzeugend, wie ihr Konzert am Sonntagabend
in der Wollbacher Kirche einer nicht allzu großen Zuhörergemeinde
bewies.
Es liegt immer ein Hauch von Wehmut und herber Melancholie auf diesen Melodien,
selbst wenn sie mit temperamentvollem Drive schiere Lebensfreude verströmen.
Eben diese ambivalenten Stimmungen deutete die Sängerin klangsinnlich
und mit klarer Diktion aus.
Inhaltlich schildern diese Lieder all das, was sich im gesungenen Volksgut
seit eh und je etabliert hat: erhörte und verschmähte Liebe, gebrochene
Treue, Fern- und Heimweh, Momente der Trauer und der Tröstung nebst
der Hoffnung auf ein besseres Leben.
Beispielhaft interpretiert wurden derlei Befindlichkeiten in den symbolhaltigen
Songs vom goldenen Pfau, vom Stiefelchen oder dem Ladino-Lied Die Rose.
Fantastische Poesie verströmten die Chansons, in denen es Vögel
auf die Zweige träufelt oder die Wüstentochter ihre klagende Stimme
erhebt. Das Schlaflied Nani - Nani und der jiddische Hit Bei mir bist du
schejn waren weitere Höhepunkte des Recitals, bei dem der spieltechnisch
versierte Freiburger Pianist Karsten Kramer der Sängerin virtuos sekundierte.
Chansons, Balladen, Lieder
Die Sängerin Hella Boccara aus Kandern stellt im "Bühneli
" ihr neues Programm vor
Von unserer Mitarbeiterin Regine Ounas-Kräusel
LÖRRACH. Hella Boccara, Chansonsängerin aus Kandern, gastierte am Samstag im Bühneli mit ihrem neuesten Programm "Von Rosen, Bäumen und Gärten." Begleitet von Karsten Kramer an Klavier und Gitarre und von Artur Krakowiak am Kontrabass präsentierte sie eine sehr persönliche Auswahl an Chansons, Songs und Liedern. Der Abend gehörte zum Jubiläumsprogramm, mit dem das "Bühneli" sein Zehnjähriges im eigenen Theater feiert.
"Pierre" — dunkel und sinnlich vibirert ihre Altstimme, als sie dieses Chanson der französischen Sängerin "Barbara" anstimmt: Eine Frau steht im Garten und wartet auf ihren Geliebten. Leidenschaft und Sehnsucht vermischen sich mit den Düften nach Regen und Laub. Zum Schluss fliegt Hella Boccaras Stimme dem Geliebten entgegen. Schwer, fast kehlig singt sie von Liebesschmerz im Ladino-Song von der verblühenden Rose. Karsten Kramer begleitet mit hart angezupften Rhythmen auf der Gitarre.
Hella Boccara schöpft aus ihrem vielseitigen Repertoire, das sie zuletzt beim Ensemble "Saitenwind" aufgebaut hat: Sie singt französische Chansons und englische Renaissance-Balladen, jiddische Musik, Volkslieder und sogar einen Blues. Zart, schwebend zwischen Trauer und Lebensfreude stimmt sie das Lied vom "Jokele" an. Das Lied von der kleinen Birke, die in der jiddischen Kultur für "Heimat" steht, aber genauso für "Exil" und "Einsamkeit" . Dann wieder singt sie fast ein wenig spitzbübisch das Volkslied vom Lebensbrünnle, das allen, die daraus trinken, ewige Jugend verleiht.
Zwei hervorragende Musiker begleiten sie: Karsten Kramer spielt die einfachen Harmonien des Volkslieds in schönen Tonfolgen aus. Dann wieder lässt er die Töne fließen, drängt und verdichtet die Musik. Doch bei aller Leidenschaft bleibt sein Spiel leicht und transparent. Artur Krakowiaks Bass trägt mit vollen, dunklen Tönen.
Hella Boccara und die beiden Musiker spielen vor kleinem, aber begeistertem Publikum. In der Pause steht man im Foyer, an dessen Wänden Fotos vergangener Aufführungen hängen, und plaudert bei einem Glas Sekt. Man kennt sich. Aber nicht nur das trägt zur fast intimen Stimmung bei: Es ist vor allem Hella Boccaras ausdrucksvolle Stimme.
Träume von unerfüllter Liebe
Hella Boccaras Hommage an die französische Chansonsängerin
Barbara im Weiler TAM
WEIL AM RHEIN. Sie erzählen von Liebe und Melancholie, von den Straßen
von Paris, von Nächten im Cafe und der Sehnsucht nach dem Liebsten.
Und sie erzählen von Einsamkeit und Tod. Die Chansons der französischen
Sängerin Barbara künden von einem intensiven Lebensgefühl
in all seinen Facetten, von der Leidenschaft und vom Sich-Verlieren in den
Leidenschaften. Hella Boccara widmete am Sonntag im Theater Am Mühlenrain
einen ganzen Abend den Chansons von Barbara, die in Frankreich als eine
„Ikone des Chansons" gilt. • Vor allem in den 60er- und
70er-Jahren hatte sie im Nachbarland großen Erfolg, während sie
in Deutschland weitgehend unbekannt blieb, obwohl sie manche ihrer Lieder
mit deutschem Text gesungen hat. Hella Boccara sang vor allem die deutschen
Lieder, ein paar auch, deren Texte sie selbst ins Deutsche übertragen
hat, daneben aber auch eine Reihe in französischer Sprache.
Mit einem Understatement eröffnete Hella Boccara ihren Auftritt: Man
sollte können, was Barbara konnte, meinte sie, nämlich kühl
auf die Bühne stöckeln, das Publikum missachten, sich ans Klavier
setzen und ein paar Töne klimpern, aus denen sich wie von selbst ein
Chanson entwickelt. Boccara missachtete das Publikum nicht, sondern erzählte
zu jedem Lied ein paar Sätze, gab Hinweise auf das Leben Barbaras und
hatte sogar die deutschen Übersetzungen der französischen Chansons
auf den Stühlen ausgelegt, von denen leider viele leer blieben.
Doch ansonsten kam Hella Boccara ihrem Idol wohl sehr nahe und bot dem Publikum
eine hörens- und erlebenswerte Vorstellung. Mit tiefer, leicht verrauchter
Stimme, die typisch für dieses Metier ist, entfaltete sie eine Mischung
aus Gesang und Sprechgesang. Ihr Auftritt war geprägt von einer Kühle,
die fast in Hochmut mündete - auch das typisch für das Chanson-Metier
und von ihr sehr authentisch inszeniert - einer Kühle, die sich schützend
vor die Person stellt, die in ihren Liedern das tiefste Innere ihrer Seele
entblößt.
Träume von der unerfüllten Liebe besang sie, erzählte in
den Chansons vom Warten auf den Geliebten. „Dann gehen wir Hand in
Hand durch die Blütenpracht - so wie einst in Paris bei Nacht."
Sie sang von der Einsamkeit, die wie eine unerwünschte Begleiterin
sie nie verlässt, und ihren Traum davon, sich in der Liebe zu verlieren,
zerstört. „Die Zeit der Liebe ist passé. Der Traum ist
aus -mach dir nichts vor!" Aber auch um die deutsch-französische
Versöhnung und Freundschaft ging es in einem Lied. Und Hella Boccara
sparte auch den größten Erfolg von Barbara nicht aus, „Ma
plus belle histoire d'amour".
Begleitet wurde sie von Tilman Günther am Flügel, der sehr gefühlvoll
und inspiriert spielte, und von Sergej Batt am Akkordeon, der zart und unaufdringlich
wunderbare Akzente setzte. Dass die drei kaum zusammen proben konnten, war
bis auf einen Ausrutscher, wo Sängerin und Pianist nicht zusammenkamen,
kaum zu spüren. Die Zuhörer erlebten einen zauberhaften Chanson-Abend,
der durchaus mehr Publikum verdient gehabt hätte.
Thomas Loisl Mink